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Alle Sichtweisen/Texte stammen von mir. Die Aktuellsten stehen oben.

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damit ich die entsprechenden Urheber hier integrieren kann.

Die Bilder sind kostenfrei und rechtefrei der Website pixabay.com entnommen.

 

 

28.11.2018

 

 

 

Kinder haben Mitgefühl

 

Sehr oft wird immer noch davon ausgegangen, dass Kinder darunter leiden, zu wenig Liebe und Zuwendung zu erhalten. Doch in Wirklichkeit geht es Kindern nicht darum, geliebt zu werden. Kinder wollen, dass die Erwachsenen in der Lage sind, offen und einfühlsam zu sein und lieben zu können. Kinder wollen die Erwachsenen glücklich sehen! Dann sind sie auch glücklich. Denn Kinder leiden darunter, dass Erwachsene in bestimmten Situationen nicht in der Lage sind, Liebe und Zuwendung und Einfühlungsvermögen leben zu können. Kinder leiden mit den Erwachsenen mit, dass diese so verschlossen sein müssen. Deswegen passen sie sich oft an, weil sie davon ausgehen, die Erwachsenen dadurch glücklich machen zu können.

 

Erwachsene können oft nicht offen sein, weil sie mit eigenen unerledigten Bedürfnissen zu kämpfen haben, dabei sich auf sich selbst konzentrieren müssen, sich verschließen, sich gegen Störungen von außen wehren und auf diese Weise eine „Distanz“ zum Umfeld erzeugen. Das fühlt sich im Kontakt mit diesen Erwachsenen für das Kind sehr schmerzvoll an.

Sind Erwachsene aber offen und empathisch, dann leben sie auch automatisch eine tiefe Verbindung zum Kind und das Kind fühlt keine Distanz mehr. Es fühlt, dass alle zusammengehören, miteinander verbunden sind und glücklich sein können.

 

Das ist ein kleiner aber sehr feiner Unterschied! Denn wenn wir es so betrachten, dann kümmern wir uns nicht mehr in erster Linie um das Kind und „was es braucht“, sondern in erster Linie um unser eigenes Wohl. Wenn wir selbst glücklich und offen und einfühlsam sein können, dann behandeln wir auch das Kind automatisch liebevoll und geben ihm automatisch das, was es benötigt – aus Liebe und Mitgefühl. Und dann fühlt sich das Kind rundum wohl.

 

Wenn wir uns selbst nicht gut fühlen und verstecken unsere schlechte Stimmung und gehen mit dem Kind (scheinbar) freundlich um, damit das Kind nichts merkt, dann geht der Schuss nach hinten los. Denn das Kind spürt, dass irgendetwas nicht stimmt, und rebelliert gegen die „Lüge“ und gegen das „Versteckspiel“ der Erwachsenen. Es will Authentizität.

Die Erwachsenen können authentisch mit ihren Problemen sein, wenn sie das Kind vor der schlechten Stimmung des Erwachsenen mit z.B. folgenden Worten schützen: „Mir geht es gerade nicht gut. Ich habe ein Problem. Aber du kannst nichts dafür – auch wenn du es gerade ausgelöst hast. Du hast mich nur an etwas Ungelöstes in mir erinnert und das muss ich selbst lösen.“ Oder eine Mutter, die sich gerade scheiden lässt: „Ich habe es gerade sehr schwer, deinen Vater zu lieben. Ich kann es gerade nicht, weil ich selbst Probleme habe. Ich versuche meine Probleme durch die Trennung von deinem Vater zu lösen. Aber du hast damit nichts zu tun. Ich liebe dich und dein Vater liebt dich, auch wenn wir es gerade nicht zeigen können. Als Eltern bleiben wir immer zusammen und lieben dich. Als Paar trennen wir uns. Und ich kann auch aus ganzem Herzen verstehen, dass du unseren Schmerz mitfühlst und es dir weh tut.“

 

Genügend Studien beweisen, dass Kinder, die nur wenige Monate alt sind, Mitgefühl besitzen und sich mitfühlend verhalten. Kinder bringen Mitgefühl mit auf die Welt. Und mit dieser Fähigkeit können sie sehr viel besser als die meisten Erwachsenen mitfühlen, wie die Stimmung in ihrem Umfeld gerade ist.

Genau deshalb können wir Kinder als Barometer für unsere eigene Stimmung nutzen (als „Spiegel“ für uns selbst). Wenn sie gegen uns rebellieren, dann ist das ein Zeichen dafür, dass wir gerade selbst ein Problem haben und dieses Problem lösen wollen, indem wir dem Kind etwas verbieten oder dem Kind Grenzen setzen oder dem Kind etwas Unechtes vorspielen. Dadurch wird aber das Problem nur auf das Kind verlagert – und nicht wirklich gelöst. Und das Kind wehrt sich gegen diese Übertragung.

 

Beispiel: Hat der Erwachsene Angst davor, dass sich der Nachbar durch den Kinderlärm gestört fühlt, dann setzt der Erwachsene den Kindern Grenzen. Sie sollen ruhig sein. Die Kinder fühlen unbewusst mit, dass der Erwachsene gerade ein Problem hat und das fühlt sich für das Kind nicht gut an. Es wünscht, dass es dem Erwachsenen gut geht. Und entweder es rebelliert und kämpft darum, dass der Erwachsene sein Problem selbst löst. Oder es richtet sich nach der gesetzten Grenze – aber mit Leidgefühlen. Und zwar nicht, weil es nicht mehr laut spielen darf, sondern weil der Erwachsene mit seinem Problem eine Distanz ausstrahlt, die weh tut. Das Kind fühlt sich ausgeschlossen. Und dann macht auch das Spielen keine Freude mehr.

 

Kinder, die sich irgendwann zu Tyrannen entwickeln, tun das, weil sie auf der unbewussten Ebene Erwachsenen auf radikale Weise zeigen wollen: „Schaut mal, womit ihr Probleme habt! Ihr könnt mich nicht lieben, wie ich bin. Und ihr könnt mir nicht klar und liebevoll und empathisch den Sinn einer Grenze erklären. Und ihr könnt es deswegen nicht, weil ihr selbst noch Angst habt und nicht wisst, wie ihr das lösen könnt.“

 

Schauen wir auf unsere eigene Kindheit, dann können wir uns wieder bewusst machen, wie sehr wir unser damaliges Umfeld geliebt haben und wie sehr wir deshalb darunter gelitten haben, wenn die Erwachsenen um uns herum viele Probleme mit sich, mit anderen Erwachsenen und mit uns Kindern gehabt haben. Dies tut noch heute in der Seele weh. Warum? Weil wir immer noch mitfühlende Wesen sind. Das verändert sich nie. Allerdings blenden wir als Erwachsener nur manchmal unser Mitgefühl aus, um das Leid des Mitfühlens erträglich zu halten.

Bleibt noch die Frage: Wie kommt es dazu, dass wir im Laufe der Zeit die Überzeugung entwickelt haben: Erwachsene sind traumatisiert, weil sie in ihrer Kindheit zu wenig Anerkennung und zu wenig Liebe erhalten haben?

Weil sich durch die Strafen der Eltern und der Lehrer allmählich ein anderes Bild in den Vordergrund schiebt. Denn eine „Strafe“ wird immer so kommuniziert: „Ich muss dich bestrafen, weil DU einen Fehler gemacht hast. Deswegen nehme ich dir jetzt etwas weg.“
Durch solche Aussagen konzentriert man sich in so einer Situation auf das Wegnehmen, auf die Strafe. Und dann beginnt das Kind zu denken: „Ich bekomme weniger, ich bekomme zu wenig.“

Außerdem steht bei dieser Strafe das Kind als „Problem“ im Mittelpunkt. Es wird bei so einer Strafe nicht mehr kommuniziert, dass eigentlich der Erwachsene gerade das Problem hat und das Kind dafür bestrafen will. Und so lernt das Kind, dass es selbst etwas falsch gemacht hat und dass ihm etwas weggenommen wird. Daraus entwickelt sich das Bild: Ein Kind hat Mangel erfahren. Doch in Wirklichkeit hat ein Kind den Mangel in seinem Umfeld schmerzvoll miterlebt und mitgefühlt.

 

Die Lösung? Kümmere dich darum, immer offener, freier und einfühlsamer zu werden. Verarbeite deine durch dein Mitgefühl erlebten Verlusterfahrungen von früher und in der Gegenwart. Entweder mithilfe von Tränen-Yoga oder mit Hilfe von unabhängigen Happy-End-Visualisierungen oder beides (siehe das Buch „Hilfe! Ich stehe unbewusst zur Verfügung“). Auf diese Weise entdeckst du dein Mitgefühl wieder und kannst es befreien.
Die Kinder und Erwachsenen um dich herum werden es dir danken.

 

Weitere Sichtweisen zum Thema und Ausführungen zum Tränen-Yoga sind auch im Buch „Die Kriegs-Trance“ zu finden. Ausführliche Leseprobe hier: KLICK

 

 

 

27.11.2018

 

 

   

 

 

Es gibt keine "Traurigkeit"

 

Es gibt nur das Bedürfnis des Gehirns, sich an eine neue Gegenwart anzupassen.

 

Wenn wir Babys beobachten, dann gibt es die Freude und es gibt das Weinen. Aber es gibt keinen Zustand der Traurigkeit. Die Traurigkeit entsteht erst, wenn das Weinen nicht mehr fließen darf. Es ist der Zustand zwischen Verlusterlebnis und Tränenausbruch. Und wenn wir uns das Weinen nicht mehr erlauben, dann bleiben wir in diesem Zwischenzustand stecken – und nennen es „Traurigkeit“. Die Traurigkeit ist in Wirklichkeit das Bedürfnis des Gehirns, in Tränen auszubrechen und das Erlebte zu verarbeiten – aber wir erlauben diese Verarbeitung nicht mehr. Und so sind wir „nur“ traurig – ohne den Weg weiterzugehen.

 

Wenn wir in diesem Zustand einen anderen Menschen weinen sehen, dann denken wir, dass er „traurig“ ist. Aber in Wirklichkeit verarbeitet er gerade ein Verlusterlebnis und passt sich im Gehirn der neuen Gegenwart an. Unterbricht er aber seinen Verarbeitungsprozess und hört auf zu weinen, noch bevor alles verarbeitet ist, dann bleibt ein Rest Traurigkeit zurück. Denn das Gehirn will immer noch weiter verarbeiten.

 

Wir können also an unserer Stimmung erkennen, ob wir etwas vollständig verarbeitet haben oder nicht. Macht uns irgendetwas traurig, dann will unser Gehirn an dieser Stelle immer noch weinen dürfen.

Erst wenn es vollständig verarbeitet ist, sind wir wieder frei und haben unsere volle Energie zur Verfügung, in der Gegenwart glücklich zu fühlen und uns auf etwas Neues zu konzentrieren.

 

Was bedeutet es für uns Erwachsene, wenn wir die Tränen wieder vollständig in unser Leben integriert haben? Wir entwickeln ein neues Menschenbild – und damit auch „Weltbild“. Wir erkennen immer öfter, wo überall Menschen aus einem noch unverarbeiteten Schmerz heraus Entscheidungen treffen, die anderen Menschen nicht gut tun. Wir sehen, wo die Menschen ihr Mitgefühl für andere Menschen abgestellt haben, weil sie zu traurig werden würden, wenn sie wieder mitfühlen würden. Sie würden zu stark mit ihren eigenen unverarbeiteten Schmerzen konfrontiert werden.

Denn dort, wo wir uns im Gehirn nicht der neuen Gegenwart anpassen und der Traurigkeit durch Tränen Ausdruck verleihen, dort bleibt unser Gehirn in einem „alten“ Zustand hängen. Dieser unverarbeitete Zustand kann dann in der Gegenwart immer wieder neu „angeregt“ werden und unangenehme Gefühle hervorrufen, die in dem Moment unser Verhalten und unsere Entscheidungen steuern. Dies geschieht so lange, bis irgendwann dieses Erlebnis durch Tränen „wirklich“ verarbeitet wurde.

 

Ich habe im Alter von 22 Jahren damit begonnen, meine Tränen aus der Kindheit zurückzuerobern. Innerhalb von sechs Jahren habe ich es geschafft, die Tränen wieder ganz normal in meinen Alltag zu integrieren, wie wir es von Kindern kennen. So erlebe ich es inzwischen regelmäßig: Gibt es etwas Schmerzhaftes zu erleben oder zu erinnern, dann gebe ich mir den Raum, darüber zu weinen. Dadurch löst sich etwas in meinem Gehirn und ich kann anschließend mit voller Energie und Freude mein Leben weiterleben. Auf diese Weise konnte und kann ich das Schicksal meiner Frau Jacqueline, die eine Blutung im Gehirn erleben musste und nun mit den körperlichen Folgen dieses Schlaganfalls lebt, mit voller Energie und Kraft begleiten. Ich kann über das Verlorene weinen (mit ihr zusammen oder allein) und anschließend wieder mit voller Energie und Freude meine Frau in ihrer Rehabilitation unterstützen.

 

Was ich als besonders „interessant“ erlebt habe, als ich meine Tränenprozesse wieder vollständig in den Alltag integrierte: Nach jedem Weinen wird offensichtlich mein Gehirn „freier“, denn ich erlebe jedes Mal in den Tagen danach neue Erkenntnisse, verstehe neue Zusammenhänge, spüre noch mehr Mitgefühl mit meinem Umfeld (ich wusste gar nicht, dass sich Mitgefühl und Verständnis immer noch weiter steigern lassen …).

Beispielsweise kann ich das Verhalten und die Entscheidungen von Donald Trump ganz klar in dem Rahmen seiner Familie sehen: Ich sehe nicht den Präsidenten, sondern ich sehe den kleinen Jungen, der sich im Kontakt mit seinen strengen Eltern schmerzvoll behaupten musste. Jetzt projiziert er alles Unverarbeitete auf die Welt – und die Menschen reagieren entsprechend auf ihn, sofern sie sich selbst in ihren eigenen unverarbeiteten Schmerzen triggern lassen. Denn sein Verhalten erinnert an strenge, strafende Eltern. Wer aber durch vollständige Schmerzverarbeitungen Mitgefühl mit seinen eigenen (evtl. strengen) Eltern entwickeln konnte, reagiert anders auf Donald Trump:

- Man wertet ihn nicht mehr ab, sondern man sieht den schmerzvollen Zusammenhang zu seinen Eltern und hat Mitgefühl für ihn, dass er sich heute immer noch so schmerzhaft und verschlossen verhalten muss, wie er sich verhält.

- Man versucht nicht mehr, ihn von etwas anderem überzeugen zu wollen, sondern man erkennt, dass er auf „vernünftige“ Weise nicht erreichbar ist, und schaut nur noch, was wirklich im Kontakt mit ihm „nötig“ und „möglich“ ist – und den Rest lässt man einfach und weiß: Er müsste seine eigenen unverarbeiteten Verlusterlebnisse verarbeiten, um sich selbst immer mehr zu öffnen. Solange er das nicht tut, wird er diese Verhaltensmuster beibehalten. Man respektiert sein schmerzvolles Schicksal, wünscht ihm aus ganzem Herzen das Allerbeste und versucht selbst, das Beste aus dieser Situation zu machen und so gut wie möglich denjenigen Menschen in ihrer Schmerzverarbeitung zu helfen, die unter seinen Entscheidungen leiden.

 

Weitere Zusammenhänge und Sichtweisen, die sich aus der Perspektive eines „Tränen-Yogis“ ergeben, sind in meinem Buch „Die Kriegs-Trance“ zu finden. Und in dem Buch „Das trifft sich gut“ berichten Jacqueline und ich davon, wie wir lösend mit unserem aktuellen Schicksal umgehen.

 

 

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Weitere Erkenntnisse und Sichtweisen sind auch in meinem "Tagebuch" Olafs Utopia zu finden oder auf der Website über die Freien Systemischen Aufstellungen (dort die "Erkenntnisse").

 

 

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