Dieses Buch ist Ende April 2011 erschienen
und wird zunächst nur vom Olaf Jacobsen Verlag ausgeliefert.
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Diese Seite enthält
allgemeine Informationen zum Buch,
eine Inhaltsübersicht und eine Leseprobe.
Olaf Jacobsen
Ich stelle
selbst auf
In Resonanz
lernen - lösen - leben - lieben
Wie Sie Ihre Selbstheilungskräfte
durch Freie Aufstellungen aktivieren
Broschur, 232 Seiten, 21x14,80cm
ISBN 978-3-936116-62-5, 1. Fassung 2011
14,90 Euro
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da das Buch noch nicht im VLB verzeichnet ist.
Rückgaberecht innerhalb von 10 Tagen
Haben Sie einen verständnisvollen Partner? Oder haben Sie Freunde
oder Arbeitskollegen, denen Sie vertrauen? Dann können Sie sich
gegenseitig zur Verfügung stehen und frei aufstellen. Mithilfe von
Resonanz-Gefühlen geben Sie sich unerwartete, spannende,
interessante Impulse für die Lösung von Problemen. Sie helfen
sich beim Erreichen von Zielen und Sie aktivieren Ihre
Selbstheilungskräfte. Auch Konflikte in Partnerschaften, Familien
und in Firmen können mit dieser Methode geebnet werden. Stellen
Sie einfach den Konflikt gemeinsam frei auf.
Die von Olaf Jacobsen begründeten Freien Systemischen
Aufstellungen sind von keinem therapeutischen Rahmen und keinem
Beratungssetting abhängig und können von jedem Menschen
selbstständig angewendet werden. Auch alleine können Sie das
Freie Aufstellen mit Hilfe von Bodenankern und Figuren einsetzen. Olaf
Jacobsen zeigt in diesem Buch, wie es funktioniert und wie Sie die
Resonanzphänomene und Erkenntnisse der Freien Systemischen
Aufstellungen auf alle Bereiche Ihres Alltags erfolgreich
übertragen werden.
.
Inhaltsübersicht:
In Resonanz
(siehe unten die Leseprobe)
I Freie Systemische Aufstellungen – die Essenz
Was ist freies Aufstellen im Vergleich zum therapeutisch
begleiteten Aufstellen?
Was ist der Unterschied zwischen „Freies Familienstellen“
und „Freie Systemische Aufstellungen“?
Was bringt eine Aufstellung?
Wie stelle ich selbst auf?
Die Regeln des Freien Aufstellens „nach Olaf Jacobsen“
Muss ich als Organisator eine Ausbildung haben?
Ist das Freie Aufstellen gefährlich?
Andere Aufstellungsmöglichkeiten
II Wie kann ich mit meiner eigenen Aufstellung umgehen?
Der Anfänger
Verdeckt oder offen?
Die Gruppenaktivität
Das Thema
Die Stellvertreter
Das Aufstellen
Das Andocken
Wozu das alles?
Jeder darf fragen
Die Anrede
Das Deuten
Natürliche Impulse
Eine Lösung
Das Drängeln von Teilnehmern
Die Stimmigkeit
Das Zerreden von Wirkungen
Mit dem Ergebnis umgehen
Übertragungen auf den Alltag (1)
Ressource Intuition
Rollenprojektion
Rollen ablegen
Rollen entlassen
Verständnis
Öffnung
Grenzen anderer
Eigene Grenzen
Lehrer dienen dir
Grenzen kommunizieren
Indiskretion
Ebenbürtige Kritik
Andocken
Relative Wahrheiten
Lösungsdefinition
Stärkendes Hinterfragen
III Wie kann ich bei einer fremden Aufstellung mitwirken
und dazulernen?
Das Auslosen
Die Stellvertreterrolle
Der Ideal-Partner
Das lösende Element
Das Personifizieren
In Gefühlen stecken bleiben
Übertragungen auf den Alltag (2)
Zufall?
Gefühle „sind“
Vorbei
Gefühlsbotschaften
Perspektivwechsel
Ideal-Person
Ideal-Partnerschaft
Tränen
Lösende Projektion
Unterscheidung
Zwei Fragen
Wahl
IV Wie stelle ich als Fortgeschrittener auf?
Fünfzig Minuten
Frei experimentieren
Der Schlüssel für die Freien Systemischen Aufstellungen
Aktivierung der Selbstheilungskräfte
Die Lösung
Die Suche
Deine inneren Haltungen
Eine oft anwendbare Aufstellungsmöglichkeit
Einige Werkzeuge
Mögliche Rangfolgen
Ohne Ziel
Dynamik in der Gruppe
Die Achtung
Das Aufstellen von nicht anwesenden Personen
Übertragungen auf den Alltag (3)
Zeitliche Begrenzung
Zweifel
Öffnung
Eigenverantwortung
Unpassende Schuhgröße
Besserwisser
Schlüsselfrage
Gehirnkartenaktualisierung
Gefühlsverschiebungen
Suche
Rangfolgen
Ohne Ziel
Außerhalb der Rolle
Sinnvolle Verachtung
Spiegel
Phänomen Goldmarie / Pechmarie
Zu zweit aufstellen
Allein aufstellen
Abschied
Über den Autor
Leseprobe (Anfang):
In Resonanz
Gebannt starren sich beide an. Sie stehen sich genau gegenüber.
Ungefähr drei große Schritte auseinander. Der eine hat einen
schwarzen Taucheranzug an, der andere eine weiße Weste und eine
Jeans. Der Taucher steht barfuß. Man sieht, wie seine hellen
Füße fest auf dem Boden stehen. Der Mann mit der
weißen Weste trägt elegante schwarze Schuhe.
In einer gewissen Entfernung zu den beiden Männern beobachten ein
Mann und eine Frau nebeneinander stehend, was die Männer wohl tun
werden. Sie sind interessiert, wirken dabei innerlich gelassen und
warten ab.
Auf einmal kommt eine sehr große Indianerbüste eines
Häuptlings mit großem Federschmuck auf dem Kopf und stellt
sich so dazwischen, dass dem Paar (Mann und Frau) die Sicht auf die
Männer versperrt wird. Die Indianerbüste schaut in die
Richtung der beiden Männer und dreht damit dem Mann und der Frau
den (nicht vorhandenen) Rücken zu, besser: den Hinterkopf.
Als ich den Taucher anfasse, merke ich, wie ich ihn jetzt näher an
den Mann mit der weißen Weste stellen möchte. Die
Anwesenheit der Indianerbüste hat es irgendwie möglich
gemacht. Nun stehen sich die beiden Männer ganz dicht
gegenüber. Wenn einer den Arm ausstreckt, kann er den anderen
berühren.
Der Taucher freut sich, dem Mann mit der weißen Weste begegnen zu
dürfen. Es ist eine tief erfüllte Freude. Der Mann mit der
weißen Weste ist ausgeglichen und irgendwie neutral – er
steht einfach nur zur Verfügung. Doch dies können die hinter
der Indianerbüste stehenden zwei Personen – der Mann und die
Frau – jetzt nicht mehr sehen.
Als ich die Büste noch einmal berühre, habe ich das
Gefühl, dass sie genau weiß, was sie tut und warum sie sich
hier dazwischen gestellt hat und dem Paar die Aussicht auf die
Männer verwehrt. Gleichzeitig ist das Paar hinter der Büste
sehr neugierig geworden, was sich wohl bei den zwei Männern
abspielen könnte.
Ich bin positiv überrascht über diese Neugierde, denn zuerst
dachte ich, dass das Paar entweder böse über die
Indianerbüste wäre oder sich uninteressiert abwenden
würde. Nein – die beiden fühlen sich sehr neugierig und
nähern sich der Büste sogar einen kleinen Schritt.
Draußen wird es hell. Es ist Sonntagmorgen. Ich liege noch im
Bett und denke über dieses Buch nach. Die Indianerbüste ist
fast so groß wie meine Hand und steht immer auf meinem
Nachttisch. Sie ist etwas größer als die vier
Playmobil-Figuren, die ich aus meinem Arbeitszimmer geholt habe.
Während ich die Figuren auf meinem Nachttisch nach Gefühl
aufstelle, schreibe ich gleichzeitig auf, was ich in diese Figuren
spontan hineinprojiziere. Im Moment geht es nicht weiter. Es
verändert sich nichts. Der Taucher ist tief davon erfüllt,
dem Mann mit der weißen Weste zu begegnen. Der wiederum steht
neutral einfach zur Verfügung. Die Indianerbüste steht genau
zwischen den beiden Männern und den beiden neugierigen
Beobachtern, mit einer irgendwie überlegenen und wohlwollenden
Klarheit. Und die beiden Beobachter – der Mann und die Frau
– warten gespannt, was passieren wird.
Es ist auch nicht nötig, dass sich diese kleine Aufstellung
weiterentwickelt, denn ich habe bereits meine Antwort: Ich weiß
nun, dass ich Ihnen, liebe Leserin und lieber Leser, jetzt noch nicht
verrate, wofür diese Figuren stehen.
Was mache ich hier? Ich spiele mit Figuren, wie ich es aus meiner
Kindheit kenne. Der Unterschied zu damals ist: Ich verbinde dieses
Figurenspiel heute mit konkreten ernsthaften Fragen, die mich gerade
beschäftigen, und erhalte dadurch neue Antworten.
Wie kommt es, dass mir ein einfaches Spiel mit Figuren hilft, Probleme selbstständig zu lösen?
Und was hat das alles mit „Resonanz“ zu tun?
Manche Menschen fragen, was „Resonanz“ eigentlich bedeutet.
Das Wort „resonare“ (lat.) wird übersetzt mit
„widerhallen / widerklingen“. Wir können bei einem
Klavier das rechte Pedal herunterdrücken. In dem Moment bewegen
sich die Dämpfer von den Saiten weg. Nun können alle Saiten
frei schwingen. Singe ich jetzt einen lauten Ton, dann höre ich
anschließend genau diesen Ton aus dem Klavier widerhallen. Die
Saiten des Klaviers schwingen in „Resonanz“ zu meinem
gesungenen Ton.
Wissenschaftler haben im Gehirn einen Bereich entdeckt, in dem sie
Spiegelneurone vermuten. Diese Gehirnzellen sind aktiv, während
wir die Handlung eines anderen Menschen beobachten. Normalerweise
feuern diese Neurone, wenn wir selbst eine Handlung ausführen und
uns zum Beispiel am Kopf kratzen. Doch wenn wir nur beobachten, wie ein
anderer Mensch sich am Kopf kratzt, schwingen unsere Neurone ebenso
mit. Wir vollziehen die beobachtete Handlung innerlich nach – wir
befinden uns in „Resonanz“ zum beobachteten Menschen und
kratzen uns ebenso am Kopf, aber nur innerhalb unseres Gehirns, ohne es
äußerlich zu tun. Hier wird von den Wissenschaftlern ebenso
der Begriff „Resonanz“ eingesetzt. Wir sind mit Hilfe
unserer Spiegelneuronen in Resonanz zu der im Außen beobachteten
Handlung eines anderen Menschen (deshalb ist Gähnen oft
ansteckend). Gleiches zieht Gleiches an.
Bei Familienaufstellungen erleben wir ebenso eine seltsame Resonanz:
Stellvertreter aus einer Gruppe stehen in einer Art Rollenspiel
für fremde Personen „zur Verfügung“ und beginnen
in ihren Rollen, die Gefühle der Personen zu spüren, die sie
repräsentieren. Dieses Phänomen kann man sich kaum
vorstellen, man muss es selbst erlebt haben – und kann es sich
dann nur mit der Fantasie erklären, dass die Stellvertreter
irgendwie mit den realen Personen „in Resonanz“ zu
schwingen scheinen.
Ich frage mich nun: Wenn ich mit Figuren und einer Indianerbüste
spiele und dabei in meiner Intuition eine Antwort auf eine Frage finde,
mit wem oder womit bin ich da in Resonanz? Stelle ich eine Resonanz zu
mir selbst her? Zu der Weisheit meines Unbewussten? Oder zu etwas
Übergeordnetem, was manche Menschen als
„Überbewusstsein“, „Höheres Selbst“,
„Universum“ oder auch „Gott“ bezeichnen?
Hier stehen wir vor einem uralten Rätsel, das uns Menschen schon
immer beschäftigt hat: Woher kommen unsere Ideen, unsere
Intuitionen, unsere Bauchgefühle? Wie entsteht unsere
Kreativität? Gibt es etwas Universelles, Göttliches,
Unbewusstes, das uns manchmal (oder immer?) zu führen scheint?
Es gibt eine jahrtausende alte Sichtweise, auf die wir Menschen immer
wieder stoßen, wenn wir uns mit solchen Fragen auseinandersetzen:
Alles ist mit allem verbunden. Im Universum kommuniziert alles
über Schwingungen miteinander.
Könnte es nicht sein, dass wir in unserem Unbewussten mit dem
Universum in Resonanz schwingen? So wie unsere Spiegelneurone im Gehirn
mit einer beobachteten Handlung im Außen? Und wenn im gesamten
Universum bereits alle Informationen vorhanden sind, dann können
wir mithilfe unseres Unterbewusstseins Antworten aus dem „weisen
Universum“ holen. Funktionieren auf diese Weise unsere
Kreativität und unser Bauchgefühl?
Wir wissen es nicht wirklich – aber es wäre vorstellbar, in unserer Fantasie.
Steffen erzählt seiner Frau Anna, dass er sich entschieden hat,
bei seiner Arbeitsstelle zu kündigen und sich einen neuen Job zu
suchen. Anna ist entsetzt und versteht die Welt nicht mehr.
Schließlich hat er sehr gut verdient und kaum Probleme bei seiner
Arbeit gehabt. Alle Argumente, die Steffen anführt, können
Anna nicht überzeugen. Es herrscht eine Spannung zwischen beiden.
Und so schlägt Steffen vor, zusammen mit Anna eine verdeckte
Aufstellung zu machen. Er holt aus seinem Arbeitszimmer ein paar
Blätter Papier und einen Bleistift und sie gehen ins Wohnzimmer.
Steffen schreibt auf das erste Blatt einen Begriff, dreht das Blatt um,
so dass Anna nicht lesen kann, was darauf steht (Schrift befindet sich
nun auf der Unterseite) und drückt ihr das Blatt in die Hand.
„Suche bitte mal für dieses Blatt einen Platz im Raum. Wo würdest du es deinem Gefühl nach hinlegen?“
Anna hält kurz inne, geht dann Richtung Fenster und legt das Blatt
davor. Steffen fragt: „Wenn du dich auf dieses Blatt draufstellen
würdest, in welche Richtung würdest du schauen und wie
würdest du dich fühlen?“
Sie stellt sich drauf, schaut dabei aus dem Fenster und sagt nach einem kurzen Moment des Einfühlens:
„Irgendwie zieht es mich nach draußen, in die Ferne. Ich will hier weg.“
Steffen beschriftet das nächste Blatt, dreht es um und gibt es Anna.
„Und wo würdest du das hinlegen?“
Anna nimmt das zweite Blatt entgegen, zögert kurz, und legt es
dann in zwei Meter Entfernung hinter das erste Blatt (1). Sie stellt
sich drauf und schaut „1“ von hinten an.
„Ich fühle mich mit 1 sehr verbunden und finde es schade,
dass 1 aus dem Fenster schaut. Ich kann aber auch nicht näher
herangehen.“
Inzwischen beschriftet Steffen das dritte Blatt und drückt es Anna
in die Hand. Sie legt es in einem gewissen Abstand rechts neben
„1“ und „2“, so dass „3“ von der
Seite direkt zwischen „1“ und „2“ durchschaut.
Die drei bilden jetzt ein Dreieck. Als Anna sich auf „3“
stellt, sagt sie: „Hier fühle ich mich ganz neutral. Ich bin
einfach da.“
„Und wenn du dich jetzt auf 2 stellst, ist dann irgendetwas anders?“ fragt Steffen.
Anna stellt sich auf das Blatt Nr. 2 und bestätigt:
„Ja, jetzt fühle ich mich nicht mehr so zu 1 hingezogen,
sondern kann mich auch wegdrehen.“ Sie dreht sich ungefähr
um 120 Grad nach rechts und schaut nun in eine völlig andere
Richtung.
Nun nimmt Steffen ein viertes Blatt und beschriftet es.
„Schaust du mal, wo du die Nummer vier hinlegen würdest?“
Anna hat ein ganz klares Gefühl. Sie nimmt das vierte Blatt und
legt es direkt ins Blickfeld von „2“, so dass
„2“ nun genau auf „4“ schaut. Die beiden stehen
sich sehr dicht gegenüber.
„Wie fühlst du dich, wenn du dich auf 2 stellst?“
Anna stellt sich auf 2 und schaut 4 an.
„Gut. Sehr gut. Ich freue mich, dass 4 da ist. Im Grunde könnte ich 4 sogar umarmen.“
„Und wie geht es 4 damit?“
Anna wechselt den Platz und stellt sich auf 4.
„Ja, auch sehr gut. Ich würde mich auch gerne von 2 umarmen lassen.“
„Und jetzt stelle dich noch einmal auf 1. Hat sich da inzwischen etwas verändert?“
Anna geht zum Fenster und fühlt sich auf Blatt 1 ein.
„Jetzt könnte ich sogar vollständig gehen.“
Steffen atmet durch und ist erleichtert.
„Gut, danke! Im Grunde hast du hier unabsichtlich mein
Gefühl bestätigt – und vielleicht kannst du mich jetzt
auch besser verstehen. Ich sage dir mal, was ich auf die Zettel
geschrieben habe. Auf dem Blatt 1 steht ‚meine alte
Firma’.“
Anna geht hin, dreht das Blatt um und liest: meine alte Firma.
Steffen deckt weiter auf: „2 bin ich selbst, 3 ist ein
lösendes Ele-ment und 4 ist ein neuer Arbeitsplatz bei einer neuen
Firma.“
Anna ist nachdenklich. „Ja, stimmt, auf deinem Platz habe ich
mich zwar zunächst zu der alten Firma hingezogen gefühlt, war
aber unzufrieden, und als das lösende Element dazu kam, konnte ich
mich wegdrehen. Und der Kontakt mit einer neuen Arbeitsstelle
fühlt sich tatsächlich viel besser an. Ich kann jetzt
nachfühlen, dass du kündigen möchtest. Aber warum ist
das eigentlich so?!“
„Ich kann es nicht genau sagen“, antwortet Steffen,
„aber ich habe das Gefühl, als ob irgendetwas in meiner
alten Firma passiert, was mich unwohl fühlen lässt. Und ich
bin seltsamerweise sehr zuversichtlich, recht schnell einen neuen
Arbeitsplatz bei einer anderen Firma finden zu können.“
Genauer lässt sich im Moment die Situation nicht analysieren, aber
auf der Gefühlsebene kann Anna nun besser nachvollziehen, dass
Steffen sich für die Kündigung entschieden hat.
Die Geschehnisse nehmen ihren Lauf, Steffen kündigt und findet bei
einer anderen Firma sehr schnell einen neuen und sogar besser bezahlten
Arbeitsplatz, weil „zufällig“ kurz vor seiner
Bewerbung dieser Platz freigeworden war. Drei Monate später meldet
seine alte Firma Insolvenz an. Hätte Steffen erst drei Monate
später nach einem neuen Arbeitsplatz gesucht, wäre der
Arbeitsplatz bei der neuen Firma inzwischen schon wieder besetzt
gewesen. Sein Gefühl hatte ihn genau passend geführt –
und die Dynamik war in der Aufstellung in den Gefühlen von Anna
ebenso ablesbar.
Wir können also eine verdeckte Aufstellung zu zweit dazu nutzen,
um eventuell eigene Gefühle besser zu bestätigen oder
vielleicht auch zu widerlegen und sich selbst neue Impulse zu geben.
Wir können sie aber auch nutzen, um in einem Konflikt mehr
Verständnis füreinander zu erreichen. Wir können
mithilfe unserer Resonanz-Gefühle besser den anderen
nachvollziehen lernen und auf diese Weise Spannungen und
unerfüllte Bedürfnisse nach Verständnis erlösen.
Ein Klient kommt zu mir in die Einzelberatung. Er weiß nicht, was
er als nächstes tun soll, und hat das Problem, zwischen sieben
verschiedenen Möglichkeiten nicht entscheiden zu können. Mein
Bestreben ist es, ihm bestimmte Fragen zu stellen und neue Sichtweisen
anzubieten, wodurch es ihm möglicherweise leichter fallen
könnte, sich zu entscheiden. Nach einigen Fehlversuchen von meiner
Seite (er konnte sich immer noch nicht entscheiden) kam von ihm die
Bitte, dass ich mich doch einmal in die Möglichkeiten
einfühlen und für ihn entscheiden sollte.
Ich legte ein weißes Blatt Papier in die Mitte des Raumes. Dieses
Papier sollte den Klienten darstellen. Dann legte ich sieben
verschiedenfarbige Kissen dem Blatt gegenüber in eine Reihe. Der
Klient teilte mir mit, welches Kissen seiner Definition nach für
welche Möglichkeit stand. Wir hatten vorher schon über den
Inhalt der verschiedenen Möglichkeiten geredet, so dass ich
wusste, worum es ging. Nun stellte ich mich auf das weiße Blatt
Papier und schaute von dort auf die Kissen. Ich versuchte zu
erfühlen, welches Kissen mich am meisten ansprach und welches
weniger – und so stellte ich eine Rangfolge her:
Möglichkeit 3 war für mich sehr attraktiv und ich stellte sie an die erste Stelle.
Möglichkeit 1 machte mich auch sehr neugierig, aber nicht so stark, wie Möglichkeit 3.
Dann war noch Möglichkeit 4 annehmbar, und die übrigen vier
Möglichkeiten interessierten mich kaum. Die Rangfolge war
zunächst Möglichkeit 2, dann 7 und 6 und am unangenehmsten
erschien mir die 5.
Mein Klient bestätigte ein wenig meine Rangfolge. Ihm würde
es ähnlich gehen, aber er zweifelte immer noch. Da kam ich auf die
Idee, es noch einmal anders zu versuchen. Weil wir offen über
alles geredet hatten und ich immer wusste, welches Kissen für
welche Möglichkeit stand, konnte es sein, dass mein Bewusstsein
und meine persönlichen Ansichten mein Gefühl beeinflusst
hatten. Also schlug ich vor, die sieben Möglichkeiten auf sieben
weiße DinA4-Blätter zu schreiben, sie umzudrehen, so dass
die Beschriftung nicht erkennbar war, die Blätter zu mischen und
anschließend auf dem Boden auszulegen – ohne zu wissen, auf
welchem Blatt welche Möglichkeit stand.
Gesagt – getan. Nachdem die weißen Blätter verteilt
waren, stellte ich mich wieder auf das Blatt des Klienten und schaute
die anderen Blätter an. Doch es fiel mir schwer, ein Gefühl
dazu zu bekommen. Also entschied ich mich, ein wenig anders vorzugehen
und mich auf die anderen Blätter zu stellen. Vielleicht konnte ich
dadurch erspüren, in welcher Beziehung die sieben
Möglichkeiten zum Klienten standen. Und tatsächlich: Auf dem
ersten Blatt hatte ich das Gefühl, mich vom Klienten
zurückzuziehen. Auf dem nächsten Blatt schaute ich von dort
intensiv auf das Klienten-Blatt und fühlte mich tief damit
verbunden. Ein weiteres Blatt vermittelte mir das Gefühl, mit
einem weiten Blick in die Runde zu schauen etc.
Aufgrund dieser Gefühle und dem Maßstab: „Welche
Möglichkeit fühlt sich mit dem Klienten am stärksten
verbunden und welche am wenigsten?“ stellte ich erneut eine
Rangfolge her und teilte dem Klienten mit, welcher Zettel die
stärkste Verbindung und welcher die geringste zum Klienten-Blatt
in mir hervorrief. Als wir anschließend die Blätter
umdrehten, um nachzulesen, welche Möglichkeit auf dem jeweiligen
Blatt stand, stellt sich heraus, dass sich genau die gleiche Rangfolge
ergeben hatte:
Möglichkeit 3 war am intensivsten mit dem Klienten-Blatt
verbunden, dann kam 1, 4, 2, 7, 6 und ganz am Schluss die
Möglichkeit 5, die sich lieber vom Klienten-Blatt
zurückziehen wollte.
Gänsehaut! Wie ein Siebener im Lotto! (Ich habe schon öfter
versucht, die Lottozahlen vorherzuspüren: klappt aber
nicht…)
Anschließend fiel ihm seine Entscheidung wesentlich leichter und
er ging mit entspanntem Gefühl aus der Beratungssitzung. Ich bin
davon überzeugt, dass z. B. für solche Entscheidungsfindungen
nicht immer professionelle Berater in Anspruch genommen werden
müssen. Es besteht auch die Möglichkeit, ein Familienmitglied
oder einen Freund zu bitten, sich einmal in unter-schiedliche
Positionen einzufühlen und ein Feedback zu geben.
Und genau dafür habe ich dieses Buch geschrieben, um das
Phänomen des Aufstellens ein wenig von der Bindung an
professionelle Berater zu lösen und für jeden Menschen
zugänglich zu machen, der daran ein Interesse hat.
In den letzten Jahren boomen Bücher und Filme über das
„Gesetz der Anziehung“, über das „Gesetz der
Resonanz“, über die Möglichkeiten, durch die
„Kraft der Gedanken“ sich die scheinbar unmöglichsten
Wünsche im Alltag zu erfüllen. Gleichzeitig spalten sich die
Menschen in diejenigen, die durch das Gesetz der Resonanz wundervolle
Erfahrungen in ihrem Leben machen dürfen, und diejenigen, die das
alles als „Fantasiewelten“ abtun.
Die Hauptursache dieser Spaltung ist: Wer es nicht konkret am eigenen
Leib erfahren hat, kann es sich einfach nicht vorstellen. Und wenn man
ohne Erfahrungen urteilt, entsteht ein Vorurteil.
Doch es gibt eine wundervolle Möglichkeit, Resonanz und das
„Gesetz der Anziehung“ konkret zu erfahren – am
eigenen Leib, im eigenen Gefühl: Bei den Systemischen
Aufstellungen machen immer mehr Menschen die praktische Erfahrung, wie
es ist, als Stellvertreter mit dem Schicksal eines anderen Menschen in
Resonanz zu schwingen. Man fühlt dabei, wie man irgendwie von
„fremden Gefühlen“ ergriffen wird. Außerdem kann
man öfter erleben, wie eine Aufstellung im Nachhinein wie durch
Geisterhand auf unser Umfeld zu wirken scheint oder im Umfeld
vorhandene Dynamiken bestätigt und teilweise voraussagt.
Alles nur Einbildung? Testen Sie es selbst – und sammeln Sie konkrete Erfahrungen damit.
Wer von Ihnen, liebe Leser, hat bereits die Faszination des
Familienstellens „live“ erlebt und sich dadurch tief
berührt gefühlt?
Und wer hat es noch nicht kennengelernt? Wer hat sogar noch nie davon gehört?
Gibt es welche unter Ihnen, die unangenehme Erfahrungen mit dem Familienstellen gemacht haben oder davor gewarnt wurden?
Wenn Sie wollen, können Sie mit diesem Buch eine völlig neue
Seite des Familienstellens kennenlernen. Und auch, wer es noch nicht
kennt, kann alle Vorurteile über Bord werfen und hier ganz von
vorne anfangen.
Ich selbst habe das damals übliche Familienstellen durch die
Leitung von Bert Hellinger im Jahr 1997 live kennenlernen dürfen
und habe sofort gedacht: „Das geht doch auch anders.“
Ich hatte das Gefühl, dass das Aufstellungsphänomen für
alle Menschen nutzbar ist, die es nutzen wollen, und dass es nicht
unbedingt von einem therapeutischen Rahmen abhängen muss. Dieser
Gedanke brauchte einige Jahre, um vollständig auszureifen. Dann
begründete ich Anfang des Jahres 2003 das „Freie
Familienstellen“ oder auch die „Freien Systemischen
Aufstellungen“. Bis heute erlebe ich es immer wieder: Es
funktioniert wundervoll!
Auch hier gilt: Wer es nicht erfahren hat, kann es sich nicht wirklich
vorstellen – und entwickelt Vorurteile. Ab und zu reagiert jemand
misstrauisch und kritisch, wenn ich vom Freien Aufstellen erzähle.
Man befürchtet, dass etwas schief läuft, eine Gefahr besteht
oder Menschen dadurch in eine Krise gestürzt werden könnten.
Manche behaupten, dass das Familienstellen nur in erfahrene
therapeutische Hände gehöre. Doch alle diese Einwände
erlebe ich immer nur von Leuten, die das Freie Aufstellen noch nicht
erlebt haben und sich nur eine innere Vorstellung davon machen –
eine Vorstellung, die ihren persönlichen Befürchtungen
entspricht. Dabei fehlt ihnen die entsprechende Erfahrung.
Ich kann nach acht Jahren Freies Aufstellen und über tausend
Aufstellungen mitteilen: Die Weste des Freien Aufstellens ist
weißer, als viele vermuten.
Das Freie Aufstellen ist eine Möglichkeit, spielerisch und
experimentell Resonanzphänomene zu erforschen und neue Erfahrungen
zu sammeln. Wir können mithilfe unseres Gefühls unseren
Verstand allmählich an die Existenz von weitgreifenden Resonanzen
gewöhnen, unser Blickfeld und Gefühlsfeld erweitern und auf
unseren Alltag übertragen. Letztendlich öffnen sich unsere
Augen dafür, wie in unserem Leben alles miteinander verwoben ist,
in Resonanz aufeinander reagiert und was von uns selbst beeinflussbar
ist und was nicht. Wir stellen nicht mehr nur innerhalb von Gruppen
oder anderen Aufstellungssettings auf, sondern wir erkennen: Alles, was
uns im alltäglichen Leben begegnet und was wir selbst fühlen
oder tun, kann auf einer bestimmten Ebene als „Teil von
Aufstellungen“ erkannt werden.
Welche neuen Konsequenzen sich für uns aus dieser Resonanz-Sicht
ergeben, entwickle ich Schritt für Schritt in diesem Buch.
Zunächst beginne ich damit, Ihnen das Freie Aufstellen
vorzustellen. Indem Sie das Freie Aufstellen kennenlernen, erlernen Sie
auch gleichzeitig die „Sprache der Resonanz“, die Sie
allmählich auf Ihren Alltag übertragen können.
Damit Sie bereits beim Lesen in die Atmosphäre vom Freien
Aufstellen eintauchen, beziehe ich Sie als Leser auf eine ganz
spezielle Weise mit ein. Sie werden sich fühlen, als wenn Sie
leibhaftig beim Freien Aufstellen dabei wären und es
„erfahren“. Sie stellen hier in diesem Buch sogar selbst
auf. Zuerst mit meiner intensiven Unterstützung, weil Sie ja das
Freie Aufstellen neu erfahren, später dann ganz
selbstständig. Das unterstützt Ihren Kennenlernprozess
bereits beim Lesen und führt dazu, dass Sie am Ende des Buches das
Gefühl haben werden, Freies Aufstellen schon einmal erlebt zu
haben.
Außerdem ist das Buch auf eine besondere Art aufgebaut. Für
diejenigen, die schon ein paar Erfahrungen im Familienstellen besitzen
und „nur“ wissen wollen, wie das Freie Aufstellen
funktioniert, ist die Essenz gleich am Anfang zusammengefasst –
wie bei einem Zeitungsartikel, der das Wichtigste im ersten Abschnitt
bringt und alle Ausführungen erst danach. Im Laufe des Buches
werde ich immer ausführlicher und bildhafter. Schließlich
finden Sie in den letzten Abschnitten viele Sichtweisen, die Ihnen
intensiv weiterhelfen können, wenn Sie beim Aufstellen oder im
Alltag mal nicht weiter wissen. Doch diese Sichtweisen sind nicht
unbedingt notwendig, um sofort mit dem Aufstellen beginnen zu
können. Sie müssen keine Perfektion erreicht haben, um
eintauchen zu können. Es genügen nur ein paar Informationen.
Sie brauchen im Grunde nur die Essenz auf den ersten Seiten zu lesen
– und schon können Sie mit praktischen Erfahrungen und
Übertragungen auf Ihren Alltag beginnen. Ansonsten werden Sie
sehen, dass die allermeisten Fragen im Laufe des Buches geklärt
werden.
Wer das Freie Aufstellen sehr intensiv kennenlernen möchte, bevor
er aktiv wird, dem schlage ich vor, das Buch zwei Mal zu lesen. Warum?
Es könnte sein, dass die Neulinge unter Ihnen sich manchmal nicht
vorstellen können, was eigentlich gemeint ist – besonders
beim ersten Abschnitt über die Essenz. Die praktischen Beispiele
und ausführlicheren Beschreibungen kommen erst danach. Wenn Sie
also im Laufe des Lesens allmählich eine Vorstellung entwickeln,
wäre es meiner Meinung nach sinnvoll, anschließend noch
einmal den Anfang zu lesen. Dann können Sie die dort
aufgeführten Beschreibungen besser zuordnen. Kurz: Sind Sie ein
Neuling im Aufstellen und lesen das Buch einmal ganz durch, dann werden
Sie den Anfang des Buches beim nächsten Mal besser nachvollziehen.
Wenn Sie dann Freies Aufstellen „live“ erlebt haben,
können Sie den Inhalt des Buches noch besser zuordnen. Dieses Buch
und seine Tipps leben von Ihren praktischen Erfahrungen. Sehen Sie es
als ein Wechselspiel: Beim Lesen wird Ihnen suggeriert, das Freie
Aufstellen konkret zu erfahren. So werden Sie angeregt, Freies
Aufstellen ganz selbstständig durchzuführen – und wenn
Sie die ersten praktischen Erfahrungen gesammelt haben, wird Ihnen das
Buch noch mehr Impulse geben.
Ich freue mich aus ganzem Herzen, wenn die Methode des Freien
Aufstellens schnell Verbreitung findet und Menschen durch diese
Resonanz einen neuen Weg entdecken, sich gegenseitig zur Verfügung
zu stehen, sich zu helfen und gemeinsam Konflikte auf eine ganz neue
Weise eigenverantwortlich und selbstständig zu lösen.
Die Indianerbüste hat ihren Platz gewechselt. Sie ist um die
beiden Männer herumgegangen und schaut nun von der
gegenüberliegenden Seite mit einem gewissen Abstand und mit einem
klaren und freundlichen Blick auf die beiden Männer. Wenn sie
durch die Männer hindurchschaut, sieht sie in einiger Entfernung
immer noch den Mann und die Frau stehen, die sich aber nun langsam zu
bewegen beginnen. Sie kommen auf die Männer zu, neugierig und
offen. Der Taucher dreht sich zu den beiden Neuankömmlingen und
hat damit den Mann mit der weißen Weste nun an seiner linken
Seite stehen. Auch er dreht sich zum Mann und zur Frau hin. Und so
stehen sich die beiden Paare gegenüber. Der Taucher heißt
den Mann und die Frau herzlich willkommen – nach wie vor mit
einer tiefen inneren Freude. Der Mann mit der weißen Weste ist
ganz offen und zu allem bereit. Der Mann und die Frau sind nach wie vor
neugierig und gespannt und zusätzlich auch noch voller Freude. Die
Gruppe strotzt vor positiver Energie. Und hinter bzw.
„über“ allen wacht klar, wissend und ausgeglichen die
Indianerbüste mit dem prachtvollen Häuptlingsschmuck.
Für mich bedeutet die Weiterentwicklung dieser kleinen
Aufstellung, dass ich Ihnen nun erzählen könnte, was für
Rollen ich diesen Figuren auf meinem Nachttisch gegeben habe, doch ich
warte damit noch ein Weilchen.
Ich freue mich, dass Sie, liebe Leserin und lieber Leser, sich für
die Freien Systemischen Aufstellungen und die dazugehörigen
Resonanzphänomene interessieren, begrüße Sie hier ganz
herzlich und freue mich auch, Ihnen im Folgenden mein Freies Aufstellen
vorstellen zu dürfen – eine Methode, die uns immer offen zur
Verfügung steht und bei der jeder frei entscheiden kann, wie er
damit umgehen und sie in seinen Alltag integrieren möchte. Diese
Methode ist zu allem bereit. Und je länger wir uns mit ihr
auseinandersetzen, desto klarer können wir erkennen, wie
„das weise Universum“ oder unser „weises
Unbewusstes“ auf irgendeine unerklärliche Weise über
uns wacht …