Öffentliches Experiment:
Die Doppelblind-Aufstellung
Olaf Jacobsen:
Ziel dieses Experiments: Nachdem
immer wieder in Familienaufstellungen faszinierende
Resonanzphänomene festzustellen sind und auf der anderen Seite
wissenschaftliche Experten behaupten, dass diese Phänomene auf
feinster hypnotischer Suggestion oder Körpersprache basieren,
jedoch nichts mit übersinnlicher Gefühls-Wahrnehmung zu tun
haben, suche ich nach einer Möglichkeit, diese
Resonanzphänomene greifbarer zu machen - oder aber mir selbst zu
beweisen, dass diese "scheinbaren" Resonanzphänomene nicht
greifbar und damit nicht beweisbar sind. Ich bin offen für
jedes Ergebnis.
Aufbau des Experiments:
Bei jeder Veranstaltung in diesem Jahr (Vortrag oder Erlebnisabend), an
der mehr als 10 Personen teilnehmen, führe ich dieses Experiment
durch und schreibe genau das Ergebnis auf.
Das Experiment hat sich in zwei Phasen aufgeteilt. Die erste Phase ist
bereits beendet und besteht aus 9 Veranstaltungen, die ich dokumentiert
habe. Die zweite Phase hat gerade begonnen. Hier kann ich bis heute
(2.6.) auf zwei Veranstaltungen zurückblicken.
Die beiden Phasen unterscheiden sich darin, dass ich unterschiedliche
Inhalte gewählt habe. Hier die Informationen über die erste
Phase:
Zunächst beschriftete ich 8 kleine Zettel vor der Veranstaltung. Auf 4 Zetteln standen folgende Begriffe:
Lottogewinner,
Helfer (z.B. Therapeut, Sanitäter, ...),
Polizist,
Bettler.
Diese 4 Zettel faltete ich so, dass nicht mehr zu erkennen war, was auf
welchem Zettel stand. Ich legte sie in eine kleine Box und mischte sie.
4 Zettel blind ziehen
Dann ließ ich 4 Personen aus dem Publikum jeweils einen Zettel
ziehen, ohne darauf zu schauen, was auf dem Zettel stand. Jeder steckte
den Zettel einfach in die Hosentasche. Nun wussten also weder diese 4
Personen noch ich, wer welchen Zettel gezogen hatte.
Meine Aufgabe bestand darin herauszubekommen, wer welchen Zettel in der Hosentasche hatte.
Sich in den verdeckten Inhalt des Zettels einfühlen
Die 4 Personen hatten die Aufgabe, sich einzufühlen und zu
schauen, wenn Sie sich dem Inhalt dieses Zettels als Stellvertreter
(wie bei einer Familienaufstellung) zur Verfügung stellen
würden, was sie dann für Gefühle erhalten würden.
Ich befragte jeden einzeln nach seinem Gefühl und schrieb ihre
Äußerungen in Stichworten auf.
Können sich "entsprechende" Personen nach ihrem Gefühl intuitiv richtig zuordnen?
Dann bat ich eine weitere Person aus dem Publikum, sich zur
Verfügung zu stellen. Ich drückte ihr einen gefalteten Zettel
mit der Notiz "
Lottogewinn" in
die Hand. Ich wusste, was draufstand, die jeweilige Person jedoch
nicht. Sie hatte nun die Aufgabe, nach ihrem Gefühl sich zu einem
der ersten 4 Personen zuzuordnen. Fand Sie eventuell die Person, die
den Lottogewinner auf ihrem Zettel stehen hatte?
Nachdem sie sich zugeordnet hatte, bat ich eine weitere Person aus dem
Publikum, einen Zettel von mir verdeckt entgegenzunehmen und sich
intuitiv einer der ersten 4 Personen zuzuordnen. Dabei war es immer
noch möglich, sich aus allen 4 Personen, die passende
herauszusuchen, auch wenn sich kurz vorher dort bereits eine der neuen
Personen aus dem Publikum zugeordnet hatten. So schickte ich folgende
Zettel noch auf die intuitive Reise: "
Hilfebedürftiger" (sollte den Weg zum Helfer finden), "
Verbrecher" sollte den Weg zum Polizisten finden, bzw. beim Polizisten eine entsprechende Reaktion auslösen, "
Das Hab und Gut des Bettlers" (sollte den Weg zum Bettler finden).
Selbsteinschätzung
Als die anderen 4 Personen sich zu den ersten 4 Personen zugeordnet
hatten, notierte ich diese Zuordnungen und erzählte danach offen,
was auf den Zetteln der ersten 4 Personen stand: Lottogewinner, Helfer,
Polizist, Bettler. Und ich bat die ersten 4 Personen, sich selbst
einzuschätzen: Was würde wohl auf ihrem Zettel stehen? Als
was für eine Figur/Rolle fühlen sie sich?
Diese Selbsteinschätzung schrieb ich ebenfalls auf.
Anschließend erzählte ich allen, was auf den Zetteln der
übrigen 4 Personen stand (was mir selbst ja in diesem Fall bekannt
war).
Was steht auf den Zetteln der ersten 4 Personen?
Nun begann das Raten. Ich nutzte mein eigenes Gefühl, als auch die
Äußerungen der ersten 4 Personen, als auch die Zuordnungen
der anderen 4 Personen und versuchte, meine Schlüsse daraus zu
ziehen, wer wohl welchen Zettel in der Hosentasche hatte. Damit meine
Chance, lange genug raten zu können, besonders hoch blieb, fragte ich die erste Person,
die mir am deutlichsten erschien, ob vielleicht "....." (mein Tipp) auf ihrem
Zettel stand. Diese Person durfte nur mit "ja" oder "nein" antworten,
damit für den Fall, dass ich falsch lag, ich immer noch die Chance
zum Weiterraten hatte.
Auswertung
Zur Auswertung nutzte ich jede Wahrscheinlichkeit bei jedem eigenen Rate-Versuch.
Die Trefferwahrscheinlichkeit war beim allerersten Mal Raten 1/4 (25%),
da ich ja 4 Möglichkeiten hatte. Antwortete die Person mit "nein",
dann konnte ich bei ihr weiterraten und hatte noch eine
Trefferwahrscheinlichkeit von 1/3 (33,33%), da noch 3
Möglichkeiten übrig blieben. Antwortete sie beim zweiten Tipp
wieder mit "nein", so blieb dann noch die Trefferwahrscheinlichkeit von
1/2
(50%). Antwortete sie wieder mit "nein", so war dann klar, was für
einen Zettel sie in der Hand hatte: die letzte noch nicht
ausgesprochene Möglichkeit. Gewertet wurden nur die Rateversuche
mit ihren Wahrscheinlichkeiten.
Noch ein Beispiel: Wenn ich bei der ersten Person fragte, ob sie
Lottogewinner
auf ihrem Zettel stehen hatte, und sie sagte "nein", dann notierte ich
bei 1/4 ein negatives Zeichen (nicht getroffen). Wenn ich dann eine
andere Person fragte, ob sie
Lottogewinner
auf ihrem Zettel stehen hatte, so war auch hier die
Trefferwahrscheinlichkeit auf 1/3 gesunken, denn ich hatte ja nur noch
3 Personen zur Auswahl. Wenn ich aber beim zweiten Rate-Versuch
eine zweite Person fragte, ob sie
Polizist
auf ihrem Zettel stehen hat, so lag hier die Trefferwahrscheinlichkeit
wieder bei 1/4, denn nach meinem momentanen Wissensstand hätte
jeder der 4 Personen den Polizisten-Zettel besitzen können, und
auch diese zweite Person hätte alle 4 Zettel besitzen können.
Auf diese Weise wertete ich alle Rate-Versuche.
Dies geschah für die erste Phase bei folgenden Veranstaltungen:
3.4. Bremerhaven
7.4. Buxtehude
8.4. Bremen
9.4. Hohenhorn
23.4. Lemgo-Lieme
24.4. Rheine
30.4. Bramsche-Engter
12.5. Hoheneich
13.5. Krems
Ich zählte alle Rate-Versuche dieser 9 Veranstaltungen zusammen und kam zu folgendem Ergebnis:
Bei allen Versuchen mit einer Trefferwahrscheinlichkeit von 25% lag das
Ergebnis insgesamt bei 22,22 % - also etwas weniger als bei normalem
Zufall.
Bei allen Versuchen mit einer Trefferwahrscheinlichkeit von 33,33% lag
das Ergebnis bei 41,18% - also höher als bei normalem Zufall (aber
nicht wesentlich).
Bei allen Versuchen mit einer Trefferwahrscheinlichkeit von 50% lag das Ergebnis tatsächlich bei exakt 50%.
Bei der Zuordnung eines später hinzukommenden Stellvertreters zu
den ersten 4 Stellvertretern hatte jeder die Trefferwahrscheinlichkeit
von 25% (Auswahl unter 4 Personen). Die tatsächlich ausgewertete
Trefferquote lag bei 30,56% - also auch etwas höher als bei
normalem Zufall (aber ebenso nicht wesentlich).
Bei der Selbsteinstufung der ersten 4 Personen hatte jeder die
Trefferwahrscheinlichkeit von 25% (Auswahl von 4 Inhalten). Die
tatsächlich ausgewertete Trefferquote lag bei 20% - also tiefer
als bei normalem Zufall.
Fazit: Dieses Gesamtergebnis trägt nicht dazu bei, das
Resonanzphänomen konkret greifbarer zu machen. Außerdem
zeichnete sich bei mir selbst auch kein "Lernprozess" ab, bei dem ich
immer treffender und klarer die Gefühle der Stellvertreter zu deuten
vermocht hätte.
... und doch ... da gibt es das Phänomen, dass mindestens an 3
unterschiedlichen Veranstaltungen der Stellvertreter des Polizisten auf
den neu hinzugekommenen Stellvertreter des Verbrechers mit Abwehr,
Abwendung und Distanz reagiert hat ... da gibt es das Erlebnis, dass
der Helfer sich bei mehr als 3 Veranstaltungen in die Mitte des Raumes
stellte - stark und ausgeglichen. Und der Lottogewinn ordnete sich 3
Mal richtig zum Lottogewinner zu. Letztendlich fühlte sich der
jeweilige Stellvertreters des Bettlers bei mehr als 4 Veranstaltungen
irgendwie schlecht und zog sich weit aus dem Geschehen heraus. Zufall?
Die 2. Phase des Experiments
Am 14.5. läutete ich die 2. Phase des Experiments ein: Ich nutze
nun neue Figuren. Dieses Mal keine eher "allgemeinen" Begriffe, wie
Polizist oder Helfer, sondern ich teste diese Doppelblindaufstellung
mit 2 Personen aus dem öffentlichen Leben und 2 bekannten
Romanfiguren, deren Namen ich verdeckt auf die ersten 4 Zettel schreibe.
Ich veröffentliche hier diese Namen noch nicht, damit nicht
eventuell Zuschauer meiner zukünftigen Veranstaltungen beeinflusst
sein könnten.
Die ersten Ergebnisse dieser 2. Phase werde ich Mitte Juli an
dieser Stelle veröffentlichen (die Namen der Personen bleiben bis
Ende September verdeckt - es sei denn, ich nutze in einer eventuell 3.
Phase noch einmal neue zu erfühlende "Subjekte").